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Gocher Wochenblatt

14.11.2010

Professionelle Blödelei

Mark ‘n’ Simon in der Keppelner Bürgerbegegnungsstätte: Gags im Sekundentakt

Stars wa(r)s in Keppeln:
Elvis Presley, Marilyn Monroe, Frank Sinatra, Jimmy Hendrix oder Michael Jackson, sie alle haben sich viel zu früh von der Weltbühne verabschiedet – doch ein Glück, dass es Mark ‘n’ Simon gibt!
Das britische Komiker-Duo ließ sie am Wochenende alle aufleben, aber wie!
- VON FRANZ GEIB -

 

Für den Keppelner, der es gerne beschaulich und ruhig liebt, war der Auftritt der beiden Comedians von den Inseln in der Bürgerbegegnungsstätte eine echte Herausforderung: Musikalische wie verbale Gags am laufen Band, ohne Unterlass und von absolut charmanter Albernheit. Wenn schon Peter Pan nicht erwachsen werden wollte, Mark und sein Partner Simon haben diesen “Menschheitstraum” wahr werden lassen. Drei Stunden lang sprühten die Komiker nur so vor Spieleifer, dass es dem einen oder anderen vor Lachen schon weh tat. Ob improvisierte Reaktionen auf das Publikum oder einstudierte Sketche aus der eigenen 1000-Ideen-Kiste, alles wirkte so perfekt, spontan und locker, dass den Gästen in der Dorfschule der Atem wegblieb.
Perfekte Komik und akzentuiertes Mienenspiel – vor allem durch den genialen Simon mit seinen überbordenden Lippen – verliehen den mitunter schrägen Blödeleien die Professionalität des Witzes. Wer sich hier angeödet fühlte und ernsthaft langweilte, hat das Konzept der beiden Künstler vielleicht nicht verstanden und geht wahrscheinlich zum Lachen in den Keller.
Doch dazu ließen es Mark Nicholas aus Wales ‘n’ Simon Elmore aus Irland erst gar nicht kommen. Stattdessen boten sie unter anderem eine Joe Cocker-Nummer, bei der Simon natürlich wegen seines Mundwerks den Part des zugedröhnten Engländers so perfekt vollführte, dass niemand sicher sein konnte, ob nicht doch der echte Sänger auf der Bühne stand!

Und sein kongenialer Partner Mark stand ihm in nichts nach, als er beispielsweise einen chinesischen Karate-Kämpfer darstellte, dessen Arme zu Carl Douglas Hit “Kung-Fu Fighting” so beängstigende Ausmaße annahmen, dass ein Kampf mit ihm wegen Unerreichbarkeit des Gegners von vornherein aussichtslos erschien.
“Don’t worry, be happy”, war an diesem Sonntag nicht nur die Losung des Abends, sondern unter anderem auch eine perfekte und verschiedensprachige Wiedergabe des Bobby McFerrin-Hits. Die beiden benötigten für diesen Gag nur ihre Stimmen und eine UHU-Alleskleber-Packung, um das Lied in mindestens drei Sprachen (englisch, japanisch, australisch) zu interpretieren. Zum Schießen!
Apropos Gesang: Was Mark ‘n’ Simon vokal und instrumental drauf haben, ist von einer solchen herausragenden Qualität, dass man sich irritiert fragt, warum die lustigen Briten vor 30 Jahren keine Gesangskarriere starteten, statt dem Quatsch-Comedy-Club beizutreten.
Ob Simon & Garfunkel, Bee Gees oder Louis Armstrong: Die Stars mögen abgetreten sein, Mark ‘n’ Simon hätten gesanglich locker deren Weltkarrieren fortführen können. Und selbst als Mark als glitzergewandeter Howard Chippendale seichte Schlagertexte entlarvte, als er deutsches Liedgut a lá “ich steh neben dir, du stehst neben mir, wir sind daneben” trällerte, wäre das allemal locker durch alle Casting-Contests gegangen.
Doch stattdessen bieten sie heutzutage Komik, die wirklich komisch ist und das in irrsinnig schneller Abfolge. Kaum 30 Sekunden vergingen, bis der nächste Gag anstand oder eben anflog wie der Bierdeckel, der im Gesicht von Simon “Wer hat das geworfen?” stecken blieb.

Wer braucht die Stars von gestern auf der Bühne, wenn es Mark ‘n’ Simon gibt? Deren Absicht haben sie auch in Keppeln wieder deutlich artikuliert: Mit schauspielerischem Vergnügen das Publikum begeistern. Gelungen!