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Fränkische Landeszeitung, 14.05.2005

„Mark 'n' Simon” in den Ansbacher Kammerspielen

Pennälerwitz und Star-Parodie

Das Duo verulkt Musikprominenz und kalauert munter

ANSBACH - Zwei gälische Gentlemen, die seit einem Vierteljahrhundert der Musikprominenz satirisch die Kehrseite aufdecken, erfreuten sich am Donnerstag in den Kammerspielen des Zuspruchs eines überaus jugendlichen Publikums. Das Mark 'n' Zeichen der Ton- und Verwandlungskünstler Mark Nicholas aus Wales und Simon Elmore aus der irischen Republik war die unnachahmliche leichte Mischung aus kessem deutsch-englischem Pennäler- Wortwitz, originellen Taschenspieler-Einlagen und der musikalischen Parodie, mit der sie aus Ikonen von Mick Jagger bis Eminem geradezu die Luft herausließen.

Wenn jemals die Muppets lebendig würden, dann wären Mark 'n' Simon die perfekte vielgestaltige Reinkarnation. Schier unheimlich wirkten die beiden mit riesigen Gebissen als die „Gruftis” Mick Jagger und Keith Richards in „Anybody Seen my Baby”, Mark verblüffte mit silberner Mähne und endlos langen Gliedern als Oliver Kahns r¨mischer Vetter „Vatikahn” zu Klängen von „New York, New York”. Ein Rapper-Duell lieferte er sich selbst in der Doppelrolle Shaggy-Eminem.

Simon musste während Frank Zappas einstigem Schocker „Bobby Brown” leiden, als ihm sein Partner den fallenden Bart erst anklebte, dann mit Tacker anheftete und ihm schließlich in die Nase steckte. Stimmgewaltig brillieren konnte er als Joe Cocker mit Whisky-Flasche und „With a Little Help from my Friends”, wobei der gellende Urschrei ert¨nte, als ihm „Cat Stevens” ein Glas Milch anbot.

Als üppiges Frauenzimmer übertraf Mark sogar das Original, als er im Shakira-Outfit lebhaft seine Bauchmuskulatur spielen ließ. Im k¨stlichen Duett „Something Stupid” wetteiferte er als Nicole Kidman mit dem zähne- blitzenden Robbie Williams.

Seitenhiebe auf die deutschsprachige Szene fehlten nicht. Mark „entlarvte” seichte Schlagertexte mit der glitzernden Figur des „Howard Chippendale” („Ich steh neben dir, du stehst neben mir, wir sind daneben”) und tänzelte als Winnietouch mit Proseccoglas einher. Und „Schnappi, das Krokodil” war unartig, verbiss es sich doch in eines von Papis empfindlichsten, ovalen K¨rperteilen.

Neben der „Hitliste” satirisch abzuschießender Songs und der polierten, potenzierten Pubertät mancher Wort- und Sachwitze („Fish in Slips”, „Gans in Weiß”, „Hähndl in the Wind”) profilierten sich die Meisterparodisten und Tonakrobaten auch in Duetten „Acapulco” („a cappella”) und bewiesen ihr K¨nnen an Gitarre, Mandoline, Bouzouki und Jazz-Harp, bevor sie die Zugaben mitten im Publikum sangen - „back to the roots” - wie einst 1979 als Straßenmusikanten mit Balladen wie „Father and Son” und „Cats in the Cradle”, das unlängst in Helmut Haberkamms fränkischer Fassung dort zu h¨ren war. Zeit für Spott, Spaß und auch Besinnung.

Ingo Batho