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Heidenheim, Mittwoch, 8. November 2006

“Balzac” Heidenheim Scherze Marke “Mark’n’Simon”
Pop und “Kaba-Reh”

Als “MusiComedy bezeichnen ”Mark’n’Simon” ihre Show. Was stellt man sich darunter vor? Erst einmal gute Laune; die dab es im ausverkauften Cafè Balzac reichlich am Montagabend. Dann Popmusik; die gab es ebenfalls reichlich, sei es akustisch mit zwei Gitarren oder als Karaoke zu eingespielten Songs. Und schließlich noch massenhaft Comedy.

Ihre Show geriet zu einem wahren Staffellauf “dschinlischer” Scherze, die sich in Höchstgeschwindigkeit die Pointen in die Hand gaben. Die musikalischen Motivationskünstler aus Wales und Irland beherrschen ihr Timing perfekt, hetzen ungezählte Regquisiten, Grimassen und Faxen aufeinander, verwandeln Frank Sinatra problemlos in Herbert Grünemeyer, während sie regelmäßig an den sprachlichen Klippen zu zerschellen drohten. Sprachliche Rumpfbeugen waren bei Mark’n’Simon ein wichtiger Teil im Programm. Sich selbst stellten sie als “Simon & Garfield” vor, um anschließend “Mrs. Robinson” nicht im New Yorker Central Park, sondern im Jurassic Park promenieren zu lassen. Rüsselsheim ist ihre “Dschinglisch”-Übersetzung für tierischen Humor, und mit einer Armbrust kann man Milch spritzen.

Doch je größer das Opfer, desto besser die Paradie. Simons Whiskey saufender Joe Cocker kann im Original kaum überzeugender röhren. Kollege Keith Richards dagegen ficht einen ebenso aussichtslosen wie verdienstvollen Kampf gegen eine Wanderzigarette im Rachenraum. Komödiantisch war alles so sauber, dass man darüber fast die Musik vergessen hätte. Und das wäre wiederum ausgesprochen schade. Denn ob mit Gitarre oder a capella: Die zwei Herren beherrschen ihr musikalisches Handwerkszeug - allem voran aber die Stimmbänder. Die Forderung des Publikums nach Zugabe war daher nicht überraschen.
Bernd Ortlieb