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Münchener Merkur, Okt. 2006

Parodistische Spaßguerrilleros
Mark´n`Simon begeistern in „Raabe´s Wirtshausbrettl“

von Thomas Lochte
Steinebach - Also, wenn nicht gerade der Tourbus zugeparkt wird von unbekannten Fans (so geschehen am Donnerstagabend in Steinebach), dann werden Mark Nicholas und Simon Elmore wohl noch ewig als Mark´n`Simon von ihrem Wohnsitz Schondorf aus durch die Lande tingeln und für gute Laune sorgen.

Vor nunmehr 27 Jahren haben die beiden als Straßenmusiker angefangen, unter anderem in der Münchener Füßgängerzone, und bis zum heutigen Tage hat diese höchst kreative „Ehe“ gehalten. Für „Raabe´s Wirtshausbrettl“ hat Veranstalterin Moni Rother das walisisch-irische Duo nun schon zum neutnen Mal gewinnen können, und das zehnte Mal (Ende 2007) steht auch schon fest-unverwüstlich nennt man so etwas, und eine stetig wachsende Fangemeinde hält den beiden Entertainern aus guten Gründen teilweise seit Jahrzehnten die Treue.

Zum Einen kann man bei Mark´n`Simon garantiert unbeschwert lachen, zum Anderen bekommt man großes musikalisches Könne serviert. Immer wieder und auch immer lieber gestatten sich die parodistischen Spaßguerrilleros nämlich Ausflüge in die reine Vortragskunst-so klingen Songs von Simon & Garfunkel, Crosby, Stills Nash & Young oder Foyer des Arts wegen der wunderbar miteinander harmonierenden Gesangsstimmen von Mark´n`Simon derart authentisch, dass einem als Romantiker gelegentlich das Wasser in den Augen steht. Die handwerkliche Basis für all den Klamauk liefert zweifellos das gewaltige Repertoire, das die beiden Dauerbrenner in Gepäck haben.

Wer die beiden schon länger kennt und begleitet, der kann das nur bestätigen, denn sie handeln in ihrem stets neu durchmischten Programm die schönen Seiten genauso unbändig und witzsprühend ab wie die musikalischen Grausamkeiten der vergangenen 50 Jahre: Howard Chippendales gloztäugiges Genuschel, Grönemeyers „Mensch“ als eine Art wirrer Mozart mit Sinatra verwurstet, Mick Jaggers Wulstlippe, Keith Richards Bedröhnstein auf offener Bühne. Und dann natürlich immer wieder die Joe Cocker Nummer mit der gequälten weißen Katze („Cat Stevens“) - da bleibt kein Auge und keine Kehle trocken.

Der Kontrast zwischen dem eher nach Dirty Metal aussehenden Monstergebissträger Simon und dem notfalls auch mal „schwul“ agierenden Mark, er funktioniert nach wie vor prima, musikalisch wie textmäßig. Und wenn man dann noch erzählt kriegt, was Dieter Bohlen und der Papst gemeinsam haben („beide waren schon in Verona“), dann ist das Publikum wie im „Raabe“ einfach im besten Sinne erledigt