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Ebersberger SZ, 26.06.2006

Ottersberger Stadtkulturtage:

Slapstick-Comedy und Musikkabarett

Staffellauf dschinglisch-dadaesker Bubenscherze

Das Duo Mark 'n' Simon macht bei seiner Bühnenshow vor nichts halt

Ottersberg: Am Ende weiß wohl niemand mehr zu recht, wer hier eigentlich auf der Bühne steht. Denn "Mark 'n' Simon", das sind auch vor allem: Mark Nicholas und Joe Cocker, Simon und Garfunkel, Mark und Grönemeyer, Nicole Kidman und Robbie Williams oder gleich - und das besonders großartig - Mick Jagger und Keith Richards. Was der Ire und Waliser vergangenen Freitag im Ottersberger Stadl inszenierten, ließe sich allenfalls mit einem Wortungetüm wie "Musikalische-Slapstick-Stand-up-Comedy" beschreiben - ein Glück, dass die Insulaner notgedrungen einen kreativeren Umgang mit der deutschen Sprache pflegen und einfach "Kaba-Reh" dazu sagen.

Ihre Show geriet zu einem wahren Staffelauf dschinglish-dadaesker Bubenscherze, die sich in Höchstgeschwindigkeit die Pointen in die Hand gaben. Die musikalischen Motivationskünstler aus den abgelegeneren Gegenden Großbritanniens beherrschen ihr Timing perfekt, hetzen ungezählte Requisiten, Grimassen und Faxen aufeinander, verwandeln Frank Sinatra problemlos in Herbert Grönemeyer, während sie regelmäßig an den sprachlichen Klippen zum Kontinent zu zerschellen drohen "Chicken Run" übersetzt zu "Hennen Rennen" bedeutet hier nichts anderes als Sommerschlussverkauf. Das interkulturelle Toleranzgebot wird dabei schamlos ausgebeutet. Dergestalt respektlos geht die Hatz durch die Jagdgründe der Populärkultur weiter - geschossen wird scharf und treffend. Shakira schüttelt Bauch und Hüften, Howard "Chippendale" versucht vergeblich sein Glück als Sänger und eine Bully-Parodie - komplett mit Perücke und Prosecco - läuft auch noch durchs Bild.

Doch je größer das Opfer, desto besser die Parodie. Simons whiskey-saufender-spritzender-süchtiger Joe Cocker kann im Original kaum überzeugender röhren. Legenden-Kollege Keith Richards dagegen ficht einen ebenso aussichtslosen wie verdienstvollen Kampf gegen eine Wanderzigarette im Rachenraum. Komödiantisch ist all das so sauber, dass man darüber fast die Musik vergessen hätte. Und das wäre wiederum ausgesprochen schade. Denn ob mit Gitarre oder a capella: Die zwei Herren in "Friedhofsblond" beherrschen ihr musikalisches Handwerkszeug - allen voran aber die Stimmbänder.

Die Abteilung "Songs von heute" mag den beiden nur ein berechtigtes Gähnen abringen, den alten Nummern dagegen kann die Comedy wenig anhaben. Marks nicht nur phänotypische Ähnlichkeit mit Paul McCartney erweist sich spätestens bei seiner "Michelle"-Interpretation und auch "Man on the Moon" nötigt den Musikern Respekt genug ab, um die Nummer zur Abwechslung in voller Länge zu spielen. Ohne Augenzwinkern, ganz im Ernst und so richtig gut.

Lena Grundhuber